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Abteilungsausflug nach „Little Berlin“

Grenzschutzanlage in Mödlareuth
Grenzschutzanlage in Mödlareuth

Zum 30. Jahrestag des Mauerfalls besuchte die Abteilung Medien und Autonomes Lernen einen der Orte, der am meisten von der Teilung Deutschlands betroffen war. Der kleine Ort Mödlareuth liegt genau auf der Grenze zwischen Bayern und Thüringen, die durch das gerade mal 50 Zentimeter breite Bächlein Tannbach markiert wird. Dieser Bach wurde später auch zur Grenze zwischen der BRD und der DDR, wodurch Mödlareuth geteilt wurde. Die Amerikaner nannten Mödlareuth Little Berlin.

Am 08.11.2019 wandern wir also entlang der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze von Töpen (Bayern) zum Thüringer Teil von Mödlareuth. Eine Wanderung, die vor 30 Jahren unmöglich gewesen wäre. Das Gebiet gehörte nämlich zum Todesstreifen.

Nach circa zwei Stunden endet unsere Wanderung in der Gaststätte Zum Grenzgänger. Gestärkt durch die Pause trauen wir uns wieder heraus.
Das Wetter eignet sich perfekt für unseren Ausflug: Es nieselt, es ist kalt und uns begleitet ein passender trist-grauer Himmel als Kulisse.

Das deutsch-deutsche Museum, das die Geschichte Mödlareuths erzählt, ist leider aufgrund des bevorstehenden Besuches von Bayerns Innenminister, Joachim Herrmann, geschlossen. Einen Tag vor uns war auch schon der US-amerikanische Außenminister Mike Pompeo hier gewesen. Unsere Bedienung im Grenzgänger erzählte, das Lokal musste den ganzen Tag geschlossen bleiben und niemand durfte ins Dorf und selbst die Dorfbewohner durften ihre Häuser nicht verlassen. Ein Tag wie vor 30 Jahren also…

Wir laufen zur Fahrzeughalle und schauen uns Fahrzeuge beider Seiten des geteilten Deutschlands an. Danach erwartete uns im kleinen Museumskino eine kurze Dokumentation über dieses vorher unbedeutende Dorf. Auf der Leinwand laufen Bilder des schweigenden Leidens einer Gemeinde, die nicht einmal über die Grenze winken durfte. Zwei Weihnachtsmärkte, zwei Maibäume, jedes Jahr, 28 Jahre lang: Alltag auf der kleinen Bühne der großen Weltgeschichte.

Der Regen wird stärker. Wir laufen durch das Dorf und überqueren den Schutzstreifen. Heute vor 30 Jahren standen Grenzposten im Wachturm. Vielleicht war es damals auch trist, grau, kalt und verregnet. Und sicher war es langweilig, denn am 08. November 1989 erlebten die Mödlareuther den üblichen, nichtsbedeutenden Alltag: Niemand wusste, dass es das letzte Mal gewesen wäre. Noch eine Nacht und die Welt würde eine andere sein.

Viele von uns wurden nach jener Nacht geboren, aber hier, an der ehemaligen Grenze, können alle nachempfinden, was die Teilung der Welt bedeutet hat und wie der Beginn unserer heutigen Welt gewesen sein muss. Bei manchen von uns spukt ein Wort im Kopf: Wahnsinn.