Essere donna in Sicilia oggi

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Frauen in Sizilien heute

Die Rolle der sizilianischen Frauen im Kampf gegen das organisierte Verbrechen und für die Gleichberechtigung der Frauen stand am Dienstag, 13. Mai 2014, im Mittelpunkt eines italienischsprachigen Gastvortrags an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU).

Die Referentin, Rita Calabrese,  war zu dieser Zeit Professorin für moderne und zeitgenössische Literatur an der Universität Palermo, Autorin von Studien über die Literatur der Frauen und über die hebräisch-deutsche Kultur. Sie arbeitet zudem für die Zeitschriften «Mezzocielo», « Leggendaria» und «Leggere Donna».

Der Vortrag ging vom Buch der Referentin ‘Essere donna in Sicilia oggi’ aus, welches eine genaue Vorstellung über die Situation der Frau Mitte der Siebziger Jahre vermittelt, eine Zeit, die geprägt von tiefgreifenden Veränderungen ist, als der Feminismus der neuen Generation und die rückständige Realität aufeinandertreffen. Über die dabei entstehenden großen Widersprüche sprechen in dem Buch Frauen, die sich in der Politik engagieren oder Berufe ausüben, die ein neues Lebensmodell repräsentieren und eine andere Identität vermitteln als die der traditionellen Rolle der Ehefrau, Mutter oder Hausfrau.

Diese Frauen sind Pionierinnen, die nun auch als “symbolische Mütter” definiert werden können und damals wie heute Bezugspunkt sind.

Zu ihnen gehören unter anderem Simona Mafai, eine kämpferische Vertreterin der Partito Comunista, Giuliana Saladino, eine engagierte und aufgeweckte Journalistin, und die Psychologin Gigliola Lo Cascio. Sie schildern aus den verschiedensten Perspektiven die komplexe und widersprüchliche Realität Siziliens zwischen Vergangenheit und neuen Instanzen der Moderne. Ihr ganzes Leben lang haben sie sich kulturell und politisch für die Rechte der Frauen engagiert und in erster Linie gegen die Mafia gekämpft: Vom politisch- institutionellen Engagement von Simona Mafai über die leidenschaftlichen und mutigen Artikel von Giuliana Saladino bis zu den Bildern von Letizia Battaglia, welche die Grausamkeit der organisierten Verbrechen bloßstellen und gleichzeitig das Leid und den Mut der sizilianischen Frauen zeigen. Neben ihnen dürfen jedoch weitere mutige Frauen nicht vergessen werden: Felicia Impastato, die sich nach der Ermordung ihres Sohnes durch die Mafia gegen die mafiösen Verstrickungen ihres Dorfes – und ihrer Familie – wehrt; die Staatsanwältin Francesca Morvillo, die mit ihrem Mann Giovanni Falcone in dem Anschlag von Capaci stirbt; die Polizistin Emanuela Loi, die der Eskorte des Staatsanwaltes Paolo Borsellino angehörte und mit ihm bei einem Bombenanschlag der Mafia ihr Leben verliert; Rita Atria, welche die verbrecherischen Machenschaften ihrer Familie denunziert und sich nach dem Tod von Borsellino das Leben nimmt sowie die vielen anderen Frauen, die sich nach den Anschlägen von 1992 zusammentun und in Palermo auch durch einen Hungerstreik gegen die Mafia kämpfen.

Das Erbe dieser Frauen lebt heutzutage in einer Wirklichkeit, die immer komplexer und widersprüchlicher wird, weiter, z.B. im politischen und kulturellen Engagement der UDI (Unione Donne Italiane), in einer Gruppe von Anwälten, die misshandelte Frauen verteidigt oder auch in der Zeitschrift «Mezzocielo», die Schriften von Simona Mafai und von Vertreterinnen der beiden Folgegenerationen mit den Bildern von Letizia Battaglia und einigen sehr jungen Fotografinnen vereint.

Der Vortrag fand in italienischer Sprache statt, es bestand aber auch die Möglichkeit Fragen auf Deutsch zu stellen.

Organisiert wurde die Veranstaltung von der Abteilung Italienisch des Sprachenzentrums der FAU.

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg